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Obwohl er, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie studiert hat, sind ihm die wesentlichen und entscheidenden Fragen des Lebens nicht beantwortet. Was war denn wirklich am Anfang? Vielleicht das Wort, vielleicht der Sinn oder gar die Kraft? Nein, es war die Tat! So urteilt der schon gealterte Magister in seinem ungestüm aufwärts drängenden Streben nach Wissen. Und er, Faust, ein Meister über die Geister, ist verzweifelt, dass ihm letztlich der Blick auf die Ganzheit der Schöpfung verwehrt bleibt. Und so wird er alles versuchen, um zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Zauberei, Alchemie, Astrologie, Magie – kein Wissensbereich, um den er sich nicht bemüht, endlich die entscheidende Antwort zu _ nden, die ihn dem Göttlichen nahe bringen könnte. Da kann denn nur noch das geheimnisvolle Buch des Nostradamus helfen, oder muss gar der Teufel auf den Plan? Er muss!

Johann Wolfgang Goethe hat sich während all seiner Dichterjahre mit dem alten Faust-Stoff aus dem 16. Jahrhundert beschäftigt. Immer wieder hat er neu angesetzt. Fragmente fanden den Weg in die Öffentlichkeit, so auch der «Urfaust». Doch Goethe dichtete im Laufe der Jahre neue Szenen dazu, bis schliesslich 1808, also vor 200 Jahren, «Faust, der Tragödie erster Teil» zum ersten Mal in Buchform erschien. Bis unmittelbar vor seinem Tod schrieb der Dichterfürst weiter an diesem Poem, das er mit «Faust II» abschloss. Ein Lebenswerk, ein kosmisches Welttheater entstand. Kaum ein zweites Bühnenspiel hat in Schulen, auf dem Theater und in der Literatur mehr Aufmerksamkeit gefunden als Goethes «Faust». Aber wie soll es gespielt werden? Für die Wettinger Klosterspiele hat sich Regisseur Jean Grädel entschieden, diesen «Faust I» als Volksstück zu inszenieren, angesiedelt in Albrecht Dürers Mittelalter, in der Zeit also, in welcher der historische Faust gelebt hat. Das Spiel zwischen Erkenntnisdrang und Scheitern, zwischen Liebe und Macht, Besessenheit und Ahnungslosigkeit, soll dem Wettinger Publikum nicht als Lehrstück, sondern als buntes, packendes, lustiges Spiel mit tiefem Gehalt gezeigt werden. Die Wettinger Fassung enthält auch Szenen aus dem «Urfaust» und Texte aus dem Volksbuch, eingerichtet von Jean Grädel.